Aktivitäten: 24.06.-20.08. Apollo 13 und Faszination Weltraum | 30.9.-3.10.2017 Dampftage ! |
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Technikmuseum unter Dampf

Von Jörg Steinbach
kassel. Drei Meter lang und 500 Kilo schwer, ist das Modell der Afrika-Lok im Schaufenster ein echter Hingucker. Die alte Henschel-Lok, die an der Opernstraße/Ecke Wolfsschlucht gegenüber der Kundenhalle der Kasseler Sparkasse zu bewundern ist, soll den Weg freimachen für das Technik Museum Kassel (TMK). In einer Ausstellung in der Kundenhalle der Sparkasse, die noch bis zum 5. September während der Geschäftszeiten zu sehen ist, wird die Herstellung dieses Lokomotiven-Typs eindrucksvoll dokumentiert, der einst von Kassel an die südafrikanische Eisenbahn geliefert wurde. Gezeigt werden auch Comics, die von Kasseler Schulkindern unter Anleitung des Buchautors und Trickfilmers Artur Klose gezeichnet wurden. Auch in den kurzen Bildgeschichten geht es um Technik. Der Museumsverein will künftig stärker in der Öffentlichkeit für die Realisierung eines Technikmuseums in der Stadt werben. Auf die Versprechungen von Politikern möchte man sich nicht mehr verlassen. Fördervereins-Vorsitzender Ewald Griesel hat einen annähernd 30 Jahre alten, einstimmigen Beschluss des Hessischen Landtags zum Aufbau eines Technikmuseums in Kassel ausgegraben. Doch bis heute ist daraus nichts geworden. Der Vereinsvorstand versucht jetzt verstärkt, private Sponsoren für das Museum zu gewinnen. Gefragt sind da vor allem jene Unternehmen, die in der Tradition von Technik aus Kassel stehen. Dass es nicht so einfach ist, auch bei guter Gewinnlage Geld für ein Technikmuseum zu sammeln, haben die Aktiven des Fördervereins bereits erfahren. Denn so manche Unternehmenstochter darf über Sponsoring nicht entscheiden, und die Firmenzentralen in Kanada oder Frankreich sind weit weg von Kassel. Da muss noch eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet und müssen Bedenken aus dem Weg geräumt werden, ahnt Vereinschef Griesel. "Wir führen weiterhin Gespräche", macht Achim Wickmann klar, dass die Technikfans nicht ans Aufgeben denken. Gesprochen hat Wickmann auch mit Politikern in Wiesbaden, die ja bekanntlich 200 Millionen Euro in die Kasseler Museumslandschaft investieren wollen. "Wir können aber nicht nur von Kunst, Bildern und Parks leben", argumentiert Wickmann. Geld wird in Deutschland noch immer mit Technik verdient, mit den Ideen und dem Können der Menschen, die in diesem rohstoffarmen Land leben. Deshalb ist es auch so wichtig, den Nachwuchs wieder stärker für die Technik zu interessieren und zu begeistern, weil in Deutschland schon jetzt die Ingenieure knapp werden. Schon fünf Prozent der 200 Museums-Millionen würden ausreichen, das Technik Museum Kassel in die Tat umzusetzen. Doch für die Investition in ein längst beschlossenes Technikmuseum, musste Wickmann erfahren, gibt es in Wiesbaden bis heute keine Bereitschaft. Der Förderverein plant zunächst kleine Schritte. In Rothenditmold, gleich neben dem Henschel-Museum auf dem ehemaligen Werksgelände, gibt es die Chance, ein 2500 Quadratmeter großes, auch für Besucher begehbares Museumsdepot zu schaffen, in dem einige der Technik-Schätze aufbewahrt und gezeigt werden können. Und an Daten aus der Kasseler Technik-Geschichte will der Verein ebenfalls öffentlichkeitswirksam erinnern. Noch in diesem Juli gibt es Gelegenheit dazu. Vor 160 Jahren, am 29. Juli 1848, absolvierte der bei Henschel & Sohn gebaute "Drache" als Lokomotive Nummer 1 seine Premierenfahrt. Weit über 30 000 Lokomotiven sollten folgen, die Firma Henschel und Kassel erlangten Weltgeltung im Lokbau. Quelle: Artikel vom 17.07.2008 aus http://www.hna.de